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Dank der Ammenbienen ist die Konzentration der Pflanzenschutzmittel im Futter der Larven stark gesenkt © Dietrich Leppert/Shutterstock.com

Nützlinge

Bienen können Fungizid-Rückstände reduzieren

Ein Artikel von Denise Wachschütz | 16.12.2024 - 16:01

Forschende des Julius Kühn-Instituts (JKI) untersuchten im Projekt NutriBee, an welchen Stellen und in welchen Konzentrationen Rückstände von Fungiziden nach der Bekämpfung von Schadpilzen, beispielsweise in Rapsfeldern, in Honigbienenvölkern nachweisbar sind. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, ob es auf dem Weg von der Sammelbiene zur Bienenbrut und zum Honig Faktoren gibt, die entweder zu einer Verdünnung oder zu einer Anreicherung der Rückstände führen.

Dr. Silvio Erler vom Julius Kühn-Institut erklärt, dass in bisherigen Untersuchungen immer nur gezeigt werden konnte, dass Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Bienenprodukten nachweisbar sind. Dabei wurden aber immer nur einzelne Bestandteile, und nicht nicht alle Stationen entlang des gesamten Transferweges von der korrekten Anwendung des Pflanzenschutzmittels im Feld bis ins Honigbienenvolk, untersucht. Der bundeweite Feldversuch fand an fünf Standorten statt. Ein weit verbreitetes Pflanzenschutzmittel, das die fungiziden Wirkstoffe Boscalid und Pyraclostrobin enthält, wurde entsprechend den Anweisungen des Herstellers und nach den Richtlinien der guten landwirtschaftlichen Praxis angewendet. Anschließend wurden Proben in festgelegten Zeitabständen entlang des Transferwegs entnommen und ausgewertet. Dies umfasste Trachtpflanzen im Feld, Sammelbienen, eingelagerten Pollen und Nektar, Ammenbienen, Larvenfuttersaft und schließlich die Larven selbst. Alle Proben wurden auf Rückstände untersucht.

Laut den Ergebnissen nahmen nicht nur die Rückstandskonzentrationen mit der Zeit ab, sondern auch im Transferweg von einer Matrix zur nächsten. Die höchsten Konzentrationen wurden in den Raps-Pflanzen (Brassica napus) gemessen. Im Larvenfuttersaft und in den Larven selbst konnten nur noch Spuren nachgewiesen werden.

Karoline Wüppenhorst, die ihre Doktorarbeit im NutriBee-Projekt anfertigt, erläutert: „Beeindruckend war für uns vor allem die Filterfunktion, die die Ammenbienen offenbar erfüllen, die die Larven mit Futter versorgen. Unsere Untersuchungen der Ammenbienen und der verschiedenen Futtersäfte für Arbeiterinnen-, Drohnen- und Königinnenlarven lassen vermuten, dass die wenigen Rückstände im Larvenfuttersaft der Arbeiterinnen bzw. Drohnen nicht aus den Drüsensekreten der Ammenbienen stammen, sondern wahrscheinlich von Pollen, der den Futtersäften zugefügt wird“.

Ammenbienen haben also laut den Ergebnissen der Studie eine zentrale Funktion für die Gesundheit des Honigbienenvolkes. Eine weitere wichtige Erkenntnis aus der NutriBee-Studie ist, dass alle entlang des Transferwegs gemessenen Konzentrationen der Rückstände unter dem Schwellenwert für potenziell toxikologische Effekte für Bienenvölker lagen, was für beide Wirkstoffe des genutzten Fungizids in allen Bienenmatrices gilt.


Quelle: JKI